Meine ETF der Deutschen Bank basieren auf Swaps. Ich wurde beim Kauf auf diese Konstruktion aufmerksam gemacht, habe mir damals aber keine grossen Gedanken gemacht. Nun bin ich doch verunsichert, wie gross das Risiko gegenwärtig ist.
Indexaktien sollen einen Index möglichst genau nachahmen. Es ist den Anbietern aber freigestellt, wie sie dieses Ziel erreichen. Sie müssen nicht zwingend alle Basiswerte, die sie im Index vorfinden, ins Portfolio aufnehmen.
Die Steuern sind ein wichtiger Grund, warum ETF auf andere Titel ausweichen. Luxemburger Fonds zum Beispiel können in den USA die Quellensteuern nicht zurückfordern und verlieren unwiederbringlich 30 Prozent der Dividendenrendite. Weil das für ETF massgebende Beträge sind, greifen viele auf dividendenlose Aktien zurück. Damit besteht aber die Gefahr, dass die Renditen von Aktienkorb und Index voneinander abweichen.
Um die Differenz zu beseitigen, werden nun Swaps eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Vertrag zwischen zwei Parteien, in diesem Fall zwischen einem Anbieter von Indexaktien und einer Investmentbank. Darin wird vereinbart, dass die Bank dem ETF die Indexrendite bezahlt und von diesem die Rendite des abweichenden Aktienkorbes erhält. Damit ist für den ETF die Welt wieder in Ordnung.
In der Praxis kommt nur der Differenzbetrag zur Auszahlung. Diese ist einem Gegenparteienrisiko ausgesetzt. Kommt die Investmentbank in Schwierigkeiten und kann die Differenz nicht entrichten, weist der ETF eine von der Benchmark abweichende Rendite auf, sofern das Problem nicht sofort behoben werden kann.
In einer kritischen Börsensituation steht nur der Differenzbetrag auf dem Spiel, denn in einem Swap werden die Basiswerte selbst nicht ausgetauscht oder verpfändet. Sie bleiben im Indexfonds. Zudem dürfen Indexanbieter, die nach europäischem Recht konstruiert sind, höchstens 10 Prozent des Vermögens swappen. Sie nützen diese obere Grenze häufig gar nicht aus. Aus allen diesen Gründen halte ich das Gegenparteienrisiko von Indexaktien insgesamt doch für gering.
Die in der Schweiz wichtigen Anbieter von ETF handhaben Swaps unterschiedlich. Credit Suisse setzt in ihren XMTCH auf Aktien und Obligationen keine Swaps ein. Auch iShares und UBS verzichten bei ihren Produkten auf das Instrument.
Umgekehrt bauen die db x-trackers von der Deutschen Bank im erwähnten Umfang Swaps ein. Das Mutterhaus ist auch gleich Swappartner. Lyxor, eine Tochter von Société Générale, ist ein zweiter Anbieter, der nicht auf Swaps verzichten möchte.
Quelle: Tages-Anzeiger, 22. September 2008







