Hurra, die Kurse fallen 30.09.2008

Das erste Halbjahr wird Fondsanlegern nicht gut in Erinnerung bleiben. Von der Finanzkrise und der anschließenden Aktienschwäche wurde der Großteil der Fonds hierzulande mitgerissen. Nur einige wenige speziell gestrickte Exchange-Traded Funds (ETFs) bescherten den Investoren kräftige Kursgewinne.

Denn die so genannten Short-ETFs sind so gestaltet, dass sie im selben Maße an Wert gewinnen, wie etwa der Dax oder der EuroStoxx fallen. Angesichts des Kursverfalls der vergangenen Monate ist es daher klar, dass diese Fonds eine gute Rendite erzielen konnten. So gewannen beispielsweise der ShortDax ETF und der DJ EuroStoxx 50 Short ETF aus dem Hause DB X-Trackers seit Anfang des Jahrs mehr als 30 Prozent.

14 Short-ETFs, die auf fallende Kurse in verschiedenen Segmenten setzen, hat die DB X-Trackers aktuell im Angebot, und die Palette soll angesichts der enormen Nachfrage weiter ausgebaut werden. Mehr als 800 Mio. Euro hat die Deutsche-Bank-Tochter mit den Short-ETFs schon eingesammelt. Jüngstes Produkt: Der DB X-Trackers II Short iBoxx, ein ETF, der auf fallende Anleihenkurse setzt. "Das ist eine absolute Neuheit und wird ein Verkaufsschlager", ist Thorsten Michalik, Chef von DB X-Trackers schon jetzt überzeugt.

Privatanleger sollten jedoch beachten, dass die Short-ETFs keine Instrumente sind, die sie langfristig in ihrem Depot haben sollten. Da die Aktienmärkte auf lange Sicht bisher immer gestiegen sind, ist es nicht sinnvoll, mit einem Short-Produkt auf einen langfristigen Wertverfall zu setzen. "Es sind reine Trading- und Absicherungsprodukte", weiß auch Michalik.

Die starke Nachfrage nach den innovativen Produkten stamme nicht nur vonseiten pessimistischer Privatanleger. "Institutionelle Investoren, wie etwa Stiftungen, die keine Derivate nutzen dürfen, haben den besonderen Mehrwert entdeckt. Und auch immer mehr Fondsmanager nehmen Short-ETFs als Absicherung mit in ihr Portfolio", sagt Michalik.

So etwa Martin Mack, der zusammen mit Herwig Weise den Superfonds M&G Privat managt. Die beiden Hamburger Vermögensverwalter verzichten derzeit völlig auf Aktien und sind in Edelmetallen und den ShortDax ETF von DB X-Trackers investiert, hinzu kommt Liquidität. "Wir sind schon seit Längerem pessimistisch für die Aktienmärkte eingestellt, weil wir glauben, dass die Finanzkrise erst am Anfang steht", sagt Mack. "Short ETFs sind eine sehr interessante Entwicklung der Finanzindustrie. Früher konnte man sein Geld in Krisenzeiten nur irgendwo parken, jetzt können sich auch Kleinanleger mit diesen Instrumenten absichern", sagt Mack.

Quelle: Financial Times, 30. September 2008