Cash-ETFs erobern den Geldmarkt 21.01.2009

Börsengehandelte Indexfonds präsentieren sich als transparenter Parkplatz für Liquidität: Es droht allerdings Gefahr durch sinkende Leitzinsen.

Es war ein Zeichen der Zeit, als db x-trackers Mitte Dezember stolz vermelden konnte, der hauseigene Geldmarktindexfonds Eonia Total Return (db x-trackers EONIA) sei zum grössten Exchange-Traded Fund (ETF) Europas angewachsen. Satte 5,4 Mrd. Euro hatte db x-trackers bis dahin eingesammelt - mehr als jeder andere Börsenfonds in der Alten Welt. Inzwischen ist der Eonia-Fonds, der den durchschnittlichen Zins für die Geldleihe auf Tagesbasis in der Euro-Zone abbildet, auf gut 6,3 Mrd. Euro gewachsen. Allein im Januar kamen netto 450 Mio. Euro hinzu.


Nicht nur die ETF-Sparte der Deutschen Bank, die Mitte 2007 als erster Anbieter mit einem Geldmarktprodukt an den Start ging, setzt auf den Zinsindex. Im März 2008 legte der ETF-Anbieter Lyxor nach. "Ein Geldmarkt-ETF auf den Eonia (Lyxor ETF Euro Cash (EONIA))gehört für einen grossen ETF-Anbieter dazu", sagt Lyxor-Chef Thomas Meyer zu Drewer. Barclays Global Investors (BGI) folgte im August mit seinem iShares eb.rexx Money Market (iShares eb.rexx Money Market). Auch Invesco (PowerShares EuroMTS Cash 3 Month) und die Commerzbank (ComStage ETF Commerbank EONIA) haben inzwischen Geldmarktprodukte im Programm.

Mit den Fonds, die gegen geringe Gebühren von 0,10 bis 0,15 Prozent zu haben sind, positionierten sich zuletzt immer mehr Anbieter gegen Tagesgeldkonten der Banken. Die Cash-ETFs versprechen einfache und transparente Liquidität, bequem in börsengehandelte Anteile gestückelt.

Derzeit nehmen die Anbieter das Sicherheitsbedürfnis der Anleger sehr ernst, sodass Lyxor und db x-trackers auf den Einsatz spezieller Tauschgeschäfte (Swaps) bei der Indexnachbildung verzichten, obwohl sich db x-trackers-Chef Thorsten Michalik den Einsatz solcher Derivate ausdrücklich vorbehält. "Die Anleger suchten zusätzliche Sicherheit und wollten jeder Art von Risiko möglichst aus dem Weg gehen", erklärt Michalik. "Derzeit ist unser Geldmarktfonds mit minus 0,3 Prozent des gesamten Fondsvermögens überbesichert. Allerdings kann sich das auch wieder ändern."

Anleger, die Liquidität in Geldmarktfonds parken möchten, sollten vor allem auf die Transaktionsgebühren achten, die beim Kaufen und Verkaufen der ETF-Anteile an der Börse anfallen. Das können bis zu 0,5 Prozent pro Order sein - was die Rendite entsprechend mindert. "Je kurzfristiger die Anlage, desto stärker fallen die Orderspesen ins Gewicht, denn sie müssen über die Wertentwicklung erst wieder verdient werden", sagt Marc Bubeck von iShares. Ähnlich sieht es bei ETF-Sparplänen aus: "Bei kleineren Anlagesummen empfehlen wir daher, eher quartalsweise als monatlich anzulegen."

Michalik betont, dass die meisten Anleger den Eonia-ETF länger als ein halbes Jahr halten. "Somit machen die Transaktionskosten nicht so viel aus. Ausserdem bieten wir jedem Anleger an, die ETFs zum Nettoinventarwert bei uns zu kaufen - die jeweilige Hausbank muss nur an uns herantreten." db x-trackers handele auf diesem Weg mit mehreren Banken. "Dann fallen keine Kosten an."

Die Anfang September gestartete Comstage lockt Kunden ebenfalls mit transaktionskostenfreiem, ausserbörslichem Handel. "Bei Discountbrokern sind die Gebühren sehr gering oder fallen sogar gänzlich weg", sagt Produktmanager Ralph Stemper. Er hält die Geldmarkt-ETFs zudem für wesentlich flexibler als Tagesgeldangebote: "In unseren Eonia-ETF können Sie heute 5 Mio. Euro investieren und ihn in zwei Tagen wieder verkaufen."

Allerdings könnte der neue Anlegerliebling in Kürze verlieren. Denn am vergangenen Donnerstag hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen auf zwei Prozent heruntergesetzt, an denen sich auch der Eonia orientiert. Setzt sich die Talfahrt fort, könnte die Geldmarkt-ETFs das gleiche Schicksal ereilen wie die ETFs auf den US-Geldmarkt und die Tageszinsen in Grossbritannien. "Die finden keinen so reissenden Absatz", sagt Stemper von Comstage. "Da sind die Zinsen bekanntermassen nahezu bei null."