Egal ob Krise oder Boom - gegessen wird immer. Die Agrarindustrie blickt deshalb auch relativ gelassen auf die aktuellen Geschehnisse der Weltwirtschaft. Denn obwohl sich der S&P GSCI-Index für Agrarrohstoffe seit Mitte des vergangenen Jahres fast halbiert hat, schneidet er unter dem Strich immer noch wesentlich besser ab als der Gesamtmarkt. Durch die Korrekturen liegt der Index jetzt wieder bei 3594 Punkten und damit auf dem Stand von zu Beginn des Booms im Jahr 2006.
Dass die Preise von Agrarrohstoffen gegen den allgemeinen Trend jedoch schon bald wieder steigen könnten, verdeutlicht eine Studie der UNO. Denn gemäß der aktuellen Untersuchung wächst die Weltbevölkerung pro Jahr um fast 78 Millionen Menschen. Das bedeutet: 78 Millionen zusätzliche Esser jedes Jahr!
Zudem gewinnen Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bioethanol mehr und mehr an Einfluss. Seit 2006 wird so zum Beispiel in Australien ein Teil der jährlichen Zuckerrohrproduktion zur Herstellung des Kraftstoffs E10 verwendet. Autofahrer können das Gemisch aus zehn Prozent Ethanol und 90 Prozent herkömmlichem Benzin wie gewöhnliches Super tanken und sparen obendrein noch zwei Cent pro Liter.
Neue Einsatzmöglichkeiten sowie eine wachsende Bevölkerung werden also in Zukunft für eine steigende Nachfrage nach Agrarprodukten sorgen. Da potenzielle Anbauflächen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen, muss die Landwirtschaft versuchen, die bestehenden Äcker effektiver zu bewirtschaften. Für die Produzenten von Düngemitteln und landwirtschaftlichen Chemikalien verheißt dies blühende Geschäfte.
Anleger des ETF ITG Global Agri Business scheinen das bereits erkannt zu haben. Denn ETF Securities, der Anbieter des erst seit Kurzem gehandelten Indexfonds, konnte sich seit Jahresbeginn über Mittelzuflüsse von knapp zwei Millionen Euro freuen. Von den im Aktienkorb des Global Agri Business befindlichen 30 Agrarunternehmen sind mehr als die Hälfte im Bereich der Chemie- und Düngemittelherstellung tätig.
ETFS S-Net ITG Global Agri Business Fund
Der Monsanto-Konzern mit Sitz in St. Louis im Bundesstaat Missouri nimmt dabei allein fast 17 Prozent des Index ein. Trotz fallender Rohstoffpreise konnte das Unternehmen 2008 seinen Umsatz von 8,3 Milliarden US-Dollar auf 11,4 Milliarden steigern und dabei gleichzeitig seinen Gewinn auf über zwei Milliarden Dollar verdoppeln.
Da diese Entwicklung in der Branche keinen Einzelfall darstellt, könnte Justus Liebigs Ausspruch in Zukunft wohl auch so gelesen werden: Wer es schafft zwei Halme wachsen zu lassen, wo bisher nur einer wuchs, dem winken satte Gewinne.
Quelle: Euro am Sonntag, 31. Januar 2009







