Investmentideen und Anlagealternativen überzeugen, wenn sich mit ihnen klar definierte Aufgaben im Portfoliomanagement umsetzen lassen. Dies gilt auch für nachhaltige oder alternative Kapitalanlagen. Sie fügen sich ideal in die Asset Allocation oder Core-Satellite-Strategien ein. Denn mit ihnen lassen sich Positionen aufbauen, mit denen langfristig eine Outperformance erzielt oder die Diversifikation des Portfolios unterstützt wird. Dabei können Investoren zwischen verschiedenen Anlagevehikeln wählen. Seit einiger Zeit lassen sich nachhaltige und alternative Kapitalanlagen etwa auch mit einer Reihe verschiedener Exchange Traded Funds (ETF) umsetzen. Ein Vorteil dabei: Mit ETF gehen die Investoren allein Marktrisiken ein und klammern Management- und Kreditrisiken aus.
Die Asset Allocation, also die Entscheidung über die verschiedenen Anlageklassen und ihre Gewichtung im Portfolio, ist das Herzstück des Portfoliomanagements. Die Wertschwankungen eines Portfolios gehen zu ca. 90 % darauf zurück, welche Anlageklassen ein Investor hält und wie er sie gewichtet. Die Auswahl einzelner Unternehmen, Anleihen oder Rohstoffe sowie das Market Timing, also der Versuch, durch die Wahl eines bestimmten Transaktionszeitpunkts eine Outperformance zu erzielen, haben dagegen einen geringen Einfluss. Sie sind zusammen lediglich für rund 10 % der Wertschwankungen verantwortlich.
Eine besondere Form der Asset Allocation sind Core-Satellite-Strategien. Bei ihnen teilt der Investor sein Portfolio in Kerninvestments, die breite Marktpositionen in den Standardaktien- und Rentenmärkten abbilden, und in kleinere Randpositionen. Mit ihnen kann er eine Outperformance seiner Benchmark, also Alpha, erzielen. Die jeweils eingegangenen Risiken lassen sich klar der zuvor definierten Zielsetzung der Position im Portfolio zuordnen. Dieses sogenannte Risk Budgeting macht das Risikomanagement einfacher und transparenter. Zudem bieten Core-Satellite-Strategien ein hohes Maß an Flexibilität. Portfolios lassen sich umbauen, indem einzelne Satelliteninvestments umgeschichtet werden, anstatt das gesamte Portfolio anzupassen. Die Steuerung des Portfolios wird einfacher. Immer mehr institutionelle Investoren in Europa nutzen daher Core-Satellite-Strategien. Laut einer Studie der französischen Wirtschaftsuniversität EDHEC aus dem vergangenen Jahr gestaltet bereits jeder zweite institutionelle Investor sein Portfolio mit Core-Satellite-Strategien, und weitere 15 % gaben an, diese künftig einführen zu wollen.
Bei einer Core-Satellite-Strategie verfolgen Investoren in den "Satelliten" eine Vielzahl von Strategien, um eine Outperformance ihrer Benchmark zu erzielen. Neben der gezielten Auswahl einzelner Titel lassen sich dem Portfolio auch Märkte und Anlageklassen beifügen, die sich deutlich vom Kerninvestment absetzen und eine höhere Performance als dieses versprechen. Zudem können bewusst bestimmte Branchen oder Regionen über- oder untergewichtet werden. Schließlich lassen sich einzelne Investmentthemen, wie nachhaltige oder alternative Kapitalanlagen, abbilden. Für welche Option sich der Investor entscheidet, hängt nicht zuletzt von seinen Managementfähigkeiten in den jeweiligen Bereichen ab. Traut er sich etwa in einer Region zu, den Markt durch die gezielte Auswahl von Einzeltiteln zu schlagen, wird er sich für ein aktives Management entscheiden. Bei einer stärker makroökonomischen Perspektive bietet es sich dagegen an, mit passiven Instrumenten Positionen in ausgewählten Branchen und Ländern über- oder unterzugewichten und so die Wertentwicklung der Benchmark zu übertreffen.
Insgesamt gewinnen ETF bei diesen Strategien an Bedeutung für die Investoren. Mehr als jeder Zweite gibt laut EDHEC-Studie an, ETF für taktische Wetten in den Randpositionen des Portfolios zu nutzen. Etwas mehr Investoren nutzen ETF, um Positionen in ausgewählten Regionen oder Anlageklassen aufzubauen. Dies gilt auch für ETF auf nachhaltige oder alternative Investments. Mit ihnen lassen sich beispielsweise Investments in weltweite Wachstumsthemen wie Wasser oder alternative Energien einfach und effizient umsetzen. Das weltweite Bevölkerungswachstum, die zunehmende Urbanisierung und die industrielle Entwicklung gerade in den Schwellenländern sind die Haupttreiber der weltweiten Nachfrage nach Wasser. In den vergangenen 100 Jahren hat sich die globale Wasserentnahme so laut Weltwasserbericht der Unesco versechsfacht und ist damit doppelt so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. Gerade viele Großstädte können ihren Wasserbedarf daher nicht mehr selbst decken und beziehen ihre Wasservorräte aus weiter entfernten Gebieten. Gleichzeitig gehen in vielen Regionen der Welt 30 bis 40 % des Wassers durch undichte Wasserleitungen, beschädigte Kanäle und Ähnliches verloren. Die Folge: Die Nachfrage nach Technologien zur Wasserförderung und Infrastruktur, wie etwa Wasserleitungen, wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Einige Experten sehen in Wasser daher das "blaue Gold" des 21. Jahrhunderts. Von dieser Entwicklung werden insbesondere Wasserversorger und die Anbieter von Infrastruktur und Technologien rund um die Wasserversorgung und -aufbereitung profitieren.
Mit einem ETF, der die weltweite Wasserindustrie abdeckt, können Investoren eine Satelliten-Position in ihrem Portfolio aufbauen, für deren überdurchschnittliche Wertentwicklung langfristig einiges spricht, und so die Performance des Gesamtportfolios verbessern. Hieran haben auch die Kursverluste von Unternehmen in der Wasserindustrie im letzten Jahr nichts geändert. Die weltweite Wasserindustrie über einen ETF, wie etwa den iShares S & P Global Water (in Irland verwalteter Teilfonds der iShares II plc), abzubilden, statt in einige ausgewählte Einzeltitel zu investieren, erleichtert das Portfoliomanagement. Über den ETF hält der Investor in nur einem Wertpapier Positionen in bis zu 50 verschiedenen Unternehmen der Industrie. Sein Risiko sinkt, da das Portfolio des ETF über verschiedene Länder und Segmente der Wasserindustrie diversifiziert ist. ETF erleichtern das Risikomanagement aber vor allem dadurch, dass sie die wichtigsten marktfremden Risiken ausklammern. Bei ihnen besteht kein Managementrisiko. Die Marktrendite wird in jedem Fall erzielt. Hinzu kommt: ETF bergen kein oder - bei swapbasierten Produkten - ein lediglich begrenztes Kreditrisiko. Ihr Swap-Barwert liegt in der Praxis deutlich unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert von 10 % am Fondsvermögen. Ferner bestechen ETF durch eine hohe Effizienz. Der Investor muss keine Managementressourcen für das Research und die Auswahl der Einzeltitel vorhalten. Dies ist gerade dann ein entscheidender Vorteil, wenn Investoren eine Reihe von Randpositionen etwa mit verschiedenen Investmentthemen wie der Wasserindustrie, erneuerbaren Energien oder nach Nachhaltigkeitsfaktoren gewichteten Investments besetzen. Eine gezielte Einzeltitelauswahl und ein aktives Management der einzelnen Positionen lassen sich dann nur mit hohem Managementaufwand sicherstellen. Deutlich günstiger sind meistens ETF. So betragen die Verwaltungsgebühren selbst für die teureren ETF auf ausgewählte Investmentthemen in der Regel weniger als 0,65 %. Im Rahmen von Core-Satellite-Strategien können ETF zudem den Vorteil ihrer guten Handelseigenschaften ausspielen. Da Investoren die ETF sowohl jederzeit über die Börse als auch direkt mit den Market Makern handeln können, sind die Positionen stets liquide und es entstehen nur geringe Handelskosten, wenn das Investment aufgestockt oder aufgelöst wird. Beispielsweise können Investoren in einer Transaktion ihre Positionen in der Wasserindustrie umschichten, sofern diese ihre Zielvorgaben für Risiko und Rendite nicht erreichen. Investoren bewahren sich damit eine hohe Flexibilität bei den verschiedenen Investmentthemen.
Mit mehr als 370 an der Deutschen Börse gelisteten ETF haben Anleger eine breite Auswahl, um ihre Asset Allocation oder Core-Satellite-Strategien mit ETF umzusetzen. Dies gilt auch für nachhaltige Kapitalanlagen. Neben den ETF auf die Wasserindustrie gibt es so Produkte auf erneuerbare Energien, die Holz- und Forstwirtschaft oder auf die gängigen Nachhaltigkeitsindizes, wie den Dow Jones Euro Stoxx Sustainability Index (ISIN: DE000A0F5UG3 / WKN: A0F5UG). Die vielfältigen Vorteile für das Portfoliomanagement sprechen dafür, dass Anleger diese Investmentthemen zukünftig zunehmend mit ETF umsetzen.
Quellen: Börsen-Zeitung, 21. Februar 2009
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