Mit einem Kursgewinn von knapp 50 Prozent in drei Monaten hat sich der Dax zusammen mit vielen anderen Aktienmärkten weltweit von den Märztiefs erholt. Das ist beachtlich, denn eine Kursdynamik dieser Art hat es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.
Sie führt allerdings dazu, dass die Börsen zumindest aus markttechnischer Sicht ziemlich stark überkauft sind. So war der Abstand zwischen dem Indexstand an sich und dem gleitenden 200-Tagesdurchschnitt am Freitag mit 18 Prozent so groß geworden wie zuletzt vor einem Jahr, kurz bevor der Markt kräftig nach unten drehte.
Wie kann der Anleger reagieren? Er kann seine Aktienpositionen absichern. Zum Beispiel durch das geschickte Plazieren von Stopp-Loss-Aufträgen. In diesem Fall wird automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft, sobald der Kurs eine festgelegte Untergrenze erreicht hat. Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige „Kursschwelle“ festzulegen und „zu pflegen“.
Liegt die Verkaufsmarke zu eng am Markt, kann ein kurzes „Abtauchen“ der Aktie den Verkaufsauftrag auslösen. Zieht sie danach gleich wieder an, hätte der Anleger nicht nur zu einem ungünstigen Kurs verkauft, sondern müsste auch noch auf die weiteren Kursgewinne verzichten. Legt er sie hingegen zu weit weg, muss er vergleichsweise hohe Kursverluste hinnehmen, bis die „Schutzfunktion“ greift. Aus diesem Grund ist ein sensibles Händchen bei der Aufgabe solcher Orders nötig. Der Anleger sollte das übliche Handelsvolumen und die Volatilität des Papiers berücksichtigen.
Eine weitere Absicherungsvariante ist der Kauf von Verkaufsoptionen oder Puts. Sie können dann interessant werden, wenn die Volatilitäten zunehmen, sobald die Kurse fallen. Puts bieten gegen Zahlung einer Prämie das Recht, ein Wertpapier zu einem bestimmten Kurs - dem gewählten Ausübungspreis - zu verkaufen oder die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Ausübungspreis einzustreichen.
Sie sind in diesem Sinne vergleichbar mit einer Versicherungspolice: Der Anleger erwirbt gegen die Zahlung einer Prämie ein Verkaufrecht - ohne Verpflichtungen einzugehen. Puts können entweder in Form von Optionsscheinen oder in standardisierter Form an Terminbörsen wie der Eurex, der Liffe oder der CBOE gekauft werden. Allerdings haben sie den Nachteil, rasch an Wert zu verlieren, sollten die Kurse nicht fallen und ginge die Volatilität zurück. In diesem Fall empfiehlt sich die rasche Auflösung der Position.
Das gilt auch für eine weitere Absicherungsmöglichkeit, „das Spiel“ mit Futures, Futures-ähnlichen Zertifikaten oder Hebelzertifikaten. Futures sind nichts anderes als standardisierte Terminkontrakte auf einen Index, eine Währung, Rohstoffe oder andere Werte und Güter. Der Anleger kann sie verkaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren - ohne sein Wertpapierdepot auflösen zu müssen. Fällt der Markt tatsächlich, kann er am Terminmarkt das gewinnen, was seine Papiere an Wert einbüßen - zumindest dann, wenn er das richtige Verhältnis zwischen Terminkontrakt und Depot ausgetüftelt hat (FAZ, 10. August 2009).







