Kein Thema bewegt die Anlagefonds-Branche derzeit so sehr wie der Boom der Exchange-Traded Funds (ETF). Im Dezember 2009 übersprang das weltweit in solchen Indexfonds verwaltete Vermögen die Grenze von 1 Bio. $, und die Anbieter bringen immer neue ETF-Arten auf den Markt - auch an der Schweizer Börse SIX. Der Erfolg der Produkte gründet dabei vor allem auf deren Image, kostengünstig zu sein. In der Tat sind die Gebühren von ETF auf grosse Börsenindizes wie den Euro-Stoxx 50 oder den SMI deutlich niedriger als die der aktiv, also von Menschenhand, gemanagten Anlagefonds. Die Gleichung «ETF = günstig» geht aber trotzdem oft nicht mehr auf - umso weniger, je länger der Boom anhält.
So steigt die Zahl «komplexer» ETF immer weiter an. Leverage- und Short-ETF, Strategie- oder Nischenprodukte kommen auf den Markt. Wegen ihrer komplizierten Strukturen und des hohen Derivate-Einsatzes sind solche ETF oft deutlich teurer. Auch die Transparenz leidet. Fonds-Researcher wollen beobachtet haben, dass die eigentlichen Kosten eines jüngst lancierten Hedge-Funds-ETF rund viermal so hoch seien wie die ausgewiesenen 0,9%.
Das macht stutzig. Solche undurchsichtigen Strukturen kennt man doch sonst nur - genau - aus dem Bereich der strukturierten Produkte. Verständlich wird das Phänomen, wenn man weiss, dass bei vielen ETF mittlerweile Investmentbanker am Steuer sitzen, die zuvor strukturierte Produkte konzipiert haben. Der boomende Sektor der Indexfonds scheint derzeit bessere Perspektiven zu bieten als die Derivate-Branche. Und auch das Tätigkeitsprofil wird ähnlicher: Bei den «komplexen» ETF können die Banker ja ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen - dem Strukturieren und Verkomplizieren. Dass diese hoch anspruchsvolle Tätigkeit nicht ganz billig sein kann, versteht sich von selbst. Dass es am Markt aber auf Dauer einen Platz gibt für die Flut an Produkten, die der eigentlichen ETF-Idee widersprechen, ist zu bezweifeln.
Quelle: NZZ, 03.02.2010







