Indexfonds: Starke Rivalen 18.02.2010

Das Jahr 2009 war nicht nur für Aktienfans ein glänzendes. Auch die Anbieter börsennotierter Indexfonds (ETFs) jubeln: Zum Jahresende überstieg das weltweit in diesen Fonds der zweiten Generation investierte Vermögen erstmals die magische Grenze von einer Billion Dollar. Doch das dürfte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. "In den nächsten vier Jahren wird sich das weltweit in ETFs verwaltete Vermögen mindestens verdoppeln", prognostiziert Deborah Fuhr, Marktforscherin der Fondsgesellschaft Blackrock.

Die gewaltige Nachfrage existiert nicht ohne Grund: Spätestens seit der Finanzkrise schätzen immer mehr Anleger ETFs als transparente und preisgünstige Alternative zu traditionellen Investmentfonds.

Die wichtigste Eigenschaft der Alternativ-Fonds ist schnell erklärt: Ihr Kurs folgt immer einem Index, etwa dem Dax. Bei traditionellen Fonds ist eine solche 1:1-Kopie nicht garantiert und meist auch gar nicht erwünscht. In aller Regel erwarten Käufer traditioneller, aktiv geführter Fonds, dass ihr Fondsmanager besser ist als sein Vergleichsindex.

Doch die Bilanz der aktiven Fonds ist ernüchternd, das zeigen zahlreiche Studien. Nur etwa zehn bis 20 Prozent der auf deutsche oder amerikanische Standardtitel fokussierten Aktienfonds schlagen auf Sicht von drei Jahren den Dax beziehungsweise den S&P-500-Index. Bei längeren Zeiträumen sind die Erfolge noch bescheidener. "Bei einer Anlagedauer von zehn Jahren schlagen weniger als fünf Prozent der Aktienfonds ihren Vergleichsindex", sagt Karl Matthäus Schmidt, Vorstandssprecher der Berliner Quirin Bank und vormals Gründer des Discountbrokers Consors.

Niedrigere Kosten. Der Grund dafür ist nicht unbedingt mangelndes Können der Fondsmanager: Häufig fressen Kosten den Gewinn der traditionellen Fonds. "Fondsmanagement, Depotführung und Transaktionskosten verschlingen jedes Jahr zwei bis drei Prozent des Fondsvermögens. Diesen Rückstand gegenüber der Börse können Fondsmanager nur schwer aufholen", erläutert Schmidt.

Die Anlageberater der Quirin Bank, die nicht von Provisionen der Fondsgesellschaften, sondern von festen Beratungshonoraren leben, empfehlen deshalb ihren Kunden vorzugsweise ETFs. Die Indexfonds sind nur mit jährlichen Gebühren belastet, die etwa ein Zehntel der Kosten traditioneller Fonds ausmachen. So verschlingen ETFs auf liquide Indizes wie Dax oder Euro-Stoxx in aller Regel nicht mehr als 0,15 bis 0,25 Prozent des Anlagevermögens. ETFs auf engere Märkte kosten mehr, bleiben mit 0,4 bis 0,6 Prozent jedoch immer noch weit unter den Kosten aktiver Fonds.

Flotter Handel. Auch die bei den aktiven Fonds von der Bank oder dem Vermittler noch immer gern kassierte Kaufgebühr (Ausgabeaufschlag) von fünf Prozent oder mehr entfällt bei ETFs. Anleger kaufen und verkaufen ETFs über die Börse; und zwar zu jedem beliebigen Zeitpunkt während den Börsenzeiten. Bei tradtionellen Fonds gibt es dagegen meist nur einen Kurs pro Tag. Beim ETF-Handel fallen lediglich die, auch bei Aktien üblichen, niedrigen Gebühren an. Einschränkungen sind nicht zu befürchten. So stellen etwa die Market Maker der Deutschen Börse (Xetra), fortlaufend An- und Verkaufspreise mit einer ganz engen Handelsspanne.

Manchmal wird es sogar noch besser. Bei einigen ETFs kassieren Anleger die Indexrendite völlig umsonst. Der Grund: Durch Nebengeschäfte, etwa durch den Verleih von im ETF enthaltenen Aktien, erwirtschaftet der Fondsanbieter Zusatzerträge, die zum Teil an die Fondskäufer ausgeschüttet werden. Bei ihren Euro-Stoxx-50-ETFs konnten etwa die Anbieter iShares und db x-trackers nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren durch solche Extra-Einnahmen die Verwaltungsgebühren sogar überkompensieren. Auch Indexfonds können also in Ausnahmefällen die Börse schlagen.

Kleiner Wermutstropfen: Die Zusatzerträge werden von den ETF-Anbietern in der Regel nicht garantiert. Nur db x-trackers, die ETF-Abteilung der Deutschen Bank, ist sich ihrer Sache so sicher, dass sie ihren Euro-Stoxx-50-ETF von vornherein ohne jährliche Verwaltungsgebühr anbietet.

Geringeres Risiko. "Auf Grund ihres Kostenvorteils bringen Indexfonds meist automatisch mehr Rendite als aktiv geführte Aktienfonds", resümiert Andreas Beck, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau. Der promovierte Finanzmathematiker nennt jedoch noch einen anderen Punkt, der für Indexfonds spricht ihr gegenüber aktiven Fonds geringeres Risiko. Nach Becks Auffassung können nämlich die Manager aktiver Fonds nur mit einer riskanteren Anlagestrategie ihren Kostennachteil ausgleichen.

Deshalb entspricht die Titelmischung eines aktiven Fonds nie der Zusammensetzung seines Vergleichsindex. Welche Werte der Fondsmanager wann kauft oder verkauft, können Anleger ohnehin nur schwer bis gar nicht nachvollziehen. Bei Indexfonds ist die Fondszusammensetzung dagegen stets vollkommen transparent: Titelauswahl und -gewichtung entsprechen den Vorgaben des jeweiligen Basisindex.

Zwei Modelle. In der klassischen, voll replizierenden ETF-Variante kauft und verkauft dazu der Fondsanbieter immer genauso viele Aktien des Index, wie er für das jeweilige Fondsvolumen benötigt. Einige Fondsgesellschaften erleichtern sich die Arbeit jedoch, indem sie nur etwa 95 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investieren und die zur exakten Indexabbildung fehlende Rendite durch ein sogenanntes Swap-Geschäft mit einer Bank einkaufen.

Einschränkungen bei der Zusammenstellung ihres Portfolios müssen Anleger durch den Einsatz von ETFs nicht befürchten. Über 550 ETFs notieren schon an der Deutschen Börse, dem größten ETF-Handelsplatz in Europa. Doch das Angebot wächst stetig weiter: Nahezu jeden Monat kommen neue ETFs dazu.

Mit den heute offerierten ETFs können Anleger fast alle Märkte abdecken. Neben Aktien-ETFs auf Länder-, Regionen- oder Branchenindizes gibt es Indexfonds auf Anleihen, Rohstoffe, Währungen, Hedge-Fonds und sogar Credit Default Swaps (Kreditversicherungen). Selbst Anlagestrategien wie Protective Puts werden inzwischen durch ETFs abgebildet. Immer mehr potente Anbieter buhlen um die Gunst der Anleger. So starteten etwa im vergangenen Herbst die beiden Schweizer Bankriesen Credit Suisse und UBS ihre ETF-Großoffensive, die in diesem Jahr noch an Kraft gewinnen soll. Auch Europas größte Fondsgesellschaft, die französische Crédit Agricole Asset Management, will bis zum Jahresende 100 neue ETFs in Deutschland an die Börse bringen. Die britische Großbank HSBC hat ebenfalls zahlreiche neue Indexfonds angekündigt.

Sinkende Preise. Aus Anlegersicht angenehm zu beobachten ist, dass fast alle Newcomer bei ihrem Vorstoß eine ähnliche Taktik verfolgen. Ihre ersten ETFs basieren überwiegend auf den schon reichlich mit ETFs abgebildeten Standardindizes, wie dem Euro-Stoxx. Fast immer jedoch legen die neuen Anbieter die Verwaltungsgebühren ihrer Me-too-Fonds unter die der älteren Produkte. Durch den anhaltenden Zustrom neuer Anbieter von Exchange Traded Funds können Anleger also nicht nur immer ausgefeiltere Investmentstrategien fahren, sondern kommen auch immer preiswerter zum Zug.

Quelle: Focus-Money, 17. Februar 2010