Bezifferung Kosteneffekt und realistische Gesamtgebühren

Man hört immer wieder, wie wichtig tiefe Gebühren beim Investieren in Wertschriften sind. Da liegt ja auch der Hauptvorteil von ETFs. Nun zu meiner Frage: Kann man den Kosteneffekt beziffern und wie hohe, beziehungsweise tiefe Gesamtgebühren sind bei der Verwaltung eines Wertschriftendepots überhaupt realistisch?
(Kathrin S. aus Zürich)

Kurzfristig sind die Kosten nicht entscheidend. Langfristig gehen hohe Gebühren jedoch ins Geld. Verantwortlich dafür ist der Zinseszinseffekt: Gebühren, die einem Wertschriftendepot abfliessen, sind definitiv verloren und können nicht wieder angelegt werden.

Dazu ein Beispiel: Zwei Anleger investieren 250‘000 Franken. Der eine muss Gesamtgebühren in der Höhe von 2% pro Jahr an seine Bank abliefern, der andere achtet auf die Gebühren und kommt mit 0.5% pro Jahr deutlich günstiger weg. Beide rechnen mit einer Bruttorendite von 8% pro Jahr. Bereits nach zehn Jahren hat der gebührensensitive Anleger fast 70‘000 Franken mehr auf dem Konto. Nach 20 Jahren liegt die Differenz bei 260‘000 Franken, was bereits mehr ist als ursprünglich investiert wurde. Nach 30 Jahren ist die Differenz fast drei Mal grösser als nach 20 Jahren und nach 40 Jahren hat der kostensensitive Anleger sagenhafte 1.94 Millionen Franken mehr auf der hohen Kante.

Ein aktives und damit kostspieliges Trading müsste also einen enormen Mehrwert generieren. Die meisten Finanzexperten sind sich einig, dass eine zu aktive Anlagephilosophie risikoadjustiert die Kosten nicht kompensieren kann. Bestes Beispiel dafür sind die aktiven Anlagefonds: Nur rund jeder Fünfte kann nachhaltig seine Benchmark übertreffen. Alle anderen schneiden nach Kosten schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Die Gebührenreduktion ist, insbesondere bei Privatanlegern, eines der sinnvollsten Mittel um die Nettorendite zu steigern.

ETFs eignen sich zur Kostenreduktion hervorragend. Sie sind aber nicht nur kostengünstig, sondern bieten auch die nötige Transparenz um effiziente Portfolios konstruieren zu können. Bei der Wahl der richtigen Indizes ist die Diversifikation gleich gut oder sogar besser als bei aktiven Anlagefonds. ETFs können langfristig im Depot gehalten werden, was zusätzlich die Transaktionskosten reduziert. Wer das nötige Fachwissen und die Zeit für die Depotbewirtschaftung hat, sollte mit Gesamtkosten von 0.5 bis 1 Prozent über die Runden kommen. Die Gebühren dürfen bei der Selektion von Anlageinstrumenten oder bei der Wahl der Bank sicherlich nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Im Hinterkopf sollte aber immer präsent sein, dass die Kosten vor allem in der langen Sicht gegen den Anleger arbeiten.

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